Raufaser: Tapezieren, Überstreichen, Abnehmen – alles, was Sie wissen müssen
Tapetenarbeiten

Raufaser: Tapezieren, Überstreichen, Abnehmen – alles, was Sie wissen müssen

9. Dezember 2024 · 5 min Lesezeit · Maik Wentzien, Malermeister

Raufaser ist ein deutsches Phänomen. Kaum ein anderes Land klebt sie so selbstverständlich an die Wände – und kaum ein anderes hat so viele Meinungen darüber, wie man mit ihr umgeht. Zu Recht: Raufaser ist vielseitig, aber sie hat ihre Tücken. Dieser Ratgeber erklärt alles, was Heimwerker und Hausbesitzer wissen sollten.

Was ist Raufaser eigentlich?

Raufaser ist eine Tapete aus Papier mit eingearbeiteten Holzfasern. Durch diese Fasern entsteht die charakteristische raue Oberfläche, die kleine Unebenheiten im Untergrund kaschiert. Sie wird weiß oder farbig überstrichen – und ist deshalb vielseitig einsetzbar. Raufaser gibt es in verschiedenen Körnergrößen: fein (für glattere Optik), mittel (am häufigsten) und grob (maximale Strukturwirkung).

Raufaser tapezieren: So gelingt es

Wichtigste Voraussetzung: Der Untergrund muss sauber, trocken und grundiert sein. Raufaser saugt Kleister schnell auf – ohne Grundierung quillt die Tapete ungleichmäßig und Blasen entstehen. Für Raufaser empfehlen wir Tapetenkleister auf Methylcellulosebasis, der etwas länger offen bleibt und mehr Zeit beim Anlegen lässt.

Beim Zuschnitt: immer etwas Überstand lassen, nie auf Kante schneiden. An Ecken und Türzargen sauber einschneiden und mit einem Tapezierspachtel andrücken. Fugen so eng wie möglich – bei Raufaser fallen kleine Überlappungen durch die Struktur kaum auf, Spalten dagegen sofort.

Richtig überstreichen

Frisch tapezierte Raufaser muss vollständig durchgetrocknet sein – mindestens 24 Stunden, besser 48 Stunden. Wer zu früh streicht, riskiert, dass sich die noch feuchte Tapete löst oder wellt. Für den Erstanstrich eignet sich eine Wandfarbe mit guter Deckkraft, aufgetragen mit einer groben Strukturrolle (Flor 10–15 mm), damit alle Vertiefungen der Faser erreicht werden.

Tipp aus der Praxis: Zwei dünne Anstriche schlagen einen dicken Anstrich immer. Zu dick aufgetragen „versumpft" die Struktur – die Raufaser sieht dann fleckig und ungleichmäßig aus.

Wie oft kann man Raufaser überstreichen?

Grundsätzlich mehrfach – aber irgendwann ist Schluss. Nach vier bis sechs Anstrichen baut sich so viel Farbe auf, dass die Struktur verloren geht und die Tapete anfängt, sich stellenweise zu lösen. Dann hilft nur noch der vollständige Austausch.

Raufaser abnehmen: Was wirklich hilft

Raufaser abnehmen ist Arbeit – das lässt sich nicht schönreden. Aber mit dem richtigen Vorgehen geht es deutlich schneller. Zuerst: reichlich Wasser mit etwas Tapetenlöser aufsprühen und gut einweichen lassen. Mindestens 10 Minuten warten. Dann mit einem breiten Spachtel (30–40 cm) von unten nach oben abziehen. Kleine Reste: nochmals einweichen, nicht trocken abkratzen – das beschädigt den Putz.

Wichtig: Gipskarton und alter Putz reagieren empfindlich auf zu viel Wasser. Bei diesen Untergründen lieber mehrfach kurz einweichen als einmal zu lange. Nach dem Abnehmen: Wand abtrocknen lassen, prüfen ob Untergrund intakt ist, dann grundieren und neu tapezieren oder glätten.

Wann lohnt sich der Fachbetrieb?

Tapezierarbeiten in einem kleinen Zimmer sind für geübte Heimwerker machbar. Aber bei großen Flächen, schwierigen Ecken, altem Putz oder wenn nach dem Abnehmen gespachtelt werden muss, rechnet sich ein Profi oft schnell. Wir übernehmen auch Teilaufträge: Abnehmen und Grundieren können wir machen – und Sie tapezieren selbst. Sprechen Sie uns einfach an.